Jednatel u stolu s neuhrazenými fakturami, v pozadí sklad firmy

Der tschechische Kunde zahlt nicht: Was deutsche Gläubiger tun können

Die Ware ist geliefert, die Rechnung seit Monaten fällig. Die Korrespondenz ist von höflich über förmlich zu unbeantwortet geworden, und nun steht die Frage im Raum, ob sich die Verfolgung einer tschechischen Forderung aus Deutschland überhaupt lohnt.

In aller Regel lohnt sie sich. Entscheidend ist, gleich zu Beginn den richtigen Weg zu wählen — der falsche kostet ein Jahr.

Zunächst: Was halten Sie eigentlich in der Hand?

Drei Fragen bestimmen Ihre Position. Besteht ein schriftlicher Vertrag oder nur Bestellung und Lieferschein? Hat der Schuldner die Forderung jemals schriftlich anerkannt, sei es auch nur beiläufig in einer E-Mail? Und ist der Schuldner noch werbend tätig oder bereits insolvent?

Die dritte Frage verdrängt die beiden anderen. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens endet die Einzelzwangsvollstreckung; es bleibt die Anmeldung der Forderung im Insolvenzregister innerhalb der gesetzten Frist. Das Versäumen dieser Frist ist der häufigste Grund, aus dem ausländische Gläubiger durchsetzbares Geld verlieren — nicht weil die Forderung schlecht war, sondern weil niemand das Register beobachtet hat.

Die Wege, nach Geschwindigkeit geordnet

Der tschechische elektronische Zahlungsbefehl (elektronický platební rozkaz) ist der Regelweg für die unbestrittene Geldforderung. Er ergeht ohne mündliche Verhandlung nach Aktenlage. Erhebt der Schuldner innerhalb der gesetzlichen Frist keinen Widerspruch, wird er vollstreckbar; widerspricht er, entfällt er und die Sache geht in das ordentliche Verfahren über. Deshalb ist er gegen den schlicht nicht zahlenden Schuldner ausgezeichnet und gegen den ernsthaft bestreitenden von begrenztem Wert.

Das Europäische Mahnverfahren nach der Verordnung (EG) Nr. 1896/2006 ist das grenzüberschreitende Gegenstück und für genau Ihre Konstellation geschaffen. Der Titel wandert ohne gesondertes Vollstreckbarerklärungsverfahren zwischen den Mitgliedstaaten.

Das ordentliche Verfahren ist der Weg bei materiell bestrittener Forderung — Mängelrüge, Aufrechnung, streitige Vertragsänderung. Hier entscheidet die Akte mehr als das Forum; eine saubere Liefer- und Reklamationsdokumentation ist regelmäßig ausschlaggebend.

Der Titel ist noch kein Geld

Ein nicht vollstreckbarer Titel ist ein teures Blatt Papier. Vor Verfahrensbeginn sollte geklärt sein, ob der Schuldner Grundbesitz hat, über Bankkonten verfügt oder sonst auffindbares Betriebsvermögen hält. Die Vollstreckung läuft in Tschechien über den Gerichtsvollzieher (soudní exekutor), und das Ergebnis hängt weit mehr davon ab, was der Schuldner besitzt, als davon, wie gut der Titel formuliert ist.

Hat die Schuldnergesellschaft den Geschäftsbetrieb still eingestellt, lautet die nützliche Frage oft nicht mehr Vollstreckung, sondern persönliche Haftung des Geschäftsführungsorgans — ein anderer Anspruch, auf anderer Grundlage, mit eigener Frist.

Die Verjährung ist die eigentliche Falle

Die tschechischen Verjährungsfristen sind kürzer, als deutsche Gläubiger häufig annehmen, und sie laufen weiter, während man noch verbindliche E-Mails austauscht. Ein schriftliches Anerkenntnis des Schuldners setzt die Frist neu in Gang und ist ungleich mehr wert als eine weitere Mahnung. Liegt eines vor, gehört es in das Erstgespräch; liegt keines vor, kann seine Erlangung das Wertvollste sein, was vor Verfahrensbeginn erreicht wird.

Unser Vorgehen

  • Prüfung der Unterlagen und Einschätzung, ob sich die Verfolgung lohnt, bevor Kosten entstehen
  • Abfrage des Insolvenzregisters und der gesellschaftsrechtlichen Lage des Schuldners zu Beginn, nicht nach Klageeinreichung
  • Wahl des Verfahrenswegs nach dem Sachverhalt, nicht nach Gewohnheit
  • Vorgerichtliche Korrespondenz, die entweder Zahlung oder ein Anerkenntnis herbeiführt
  • Beauftragung und Überwachung der Vollstreckung samt realistischer Einschätzung der Beitreibbarkeit

Häufige Fragen

Kann ich nicht einfach in Deutschland klagen?

Je nach Vertrag und Zuständigkeitsregeln durchaus. Ein deutscher Titel muss aber dort vollstreckt werden, wo das Vermögen des Schuldners liegt. Die praktische Frage lautet deshalb selten, wo geklagt werden kann, sondern wo das Geld ist.

Der Schuldner beruft sich auf Mängel. Ist die Forderung damit erledigt?

Nein, der Weg ändert sich. Der Mängeleinwand muss ordnungsgemäß erhoben und belegt werden; eine Behauptung per E-Mail ist kein Einwand. Entscheidend wird dann Ihre Liefer- und Reklamationsdokumentation.

Lohnt sich eine kleine Forderung?

Wir sagen es Ihnen zu Beginn. Wo die Kosten die Forderung aufzehren würden, sprechen wir das an, statt eine Akte zu führen, die sich nicht trägt.

Kontakt

Übersenden Sie Vertrag oder Bestellung, Rechnung, Liefernachweis und den bisherigen Schriftwechsel. Sie erhalten eine Einschätzung der Forderung, des realistischen Wegs und der zu erwartenden Kosten.

Forderungseinzug in Tschechien

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